12.06.2026. Im Rahmen unserer Erasmus+ Projektwoche (08.-12. Juni 2026) sind wir nach Krakau gereist, um dort gemeinsam mit unserer polnischen Partnerschule zum Thema „Gemeinsam gegen Rassismus und Antisemitismus“ zu arbeiten. Schon bei der Abfahrt in Bremerhaven war die Vorfreude groß: viele Koffer, gespannte Gesichter und die gemeinsame Erwartung, eine besondere Woche vor uns zu haben.
Nach unserer Ankunft wurden wir an der Partnerschule sehr herzlich begrüßt. Zunächst lernten wir uns durch Schulpräsentationen gegenseitig besser kennen. Dabei konnten wir entdecken, was unsere Schulen verbindet, aber auch, was jede Schule besonders macht. Auch sprachlich näherten wir uns einander an: Mini-Sprachkurse Deutsch-Polnisch und Polnisch-Deutsch sorgten für viele neugierige Fragen, erste Gespräche und auch einige lustige Momente.
„Ich fand es schön zu merken, dass man sich auch versteht, wenn nicht jedes Wort perfekt ist“, fasste eine Schülerin die ersten Begegnungen zusammen.
Inhaltlich beschäftigten wir uns von Beginn an intensiv mit dem Thema Rassismus. Gemeinsam diskutierten wir, wo die Grenze zwischen Vorurteilen, Alltagsrassismus und Rassismus verläuft. In deutsch-polnischen Kleingruppen arbeiteten wir anschließend an der Frage, was jede und jeder Einzelne im Alltag gegen Rassismus tun kann. Dabei entstanden viele konkrete Ideen: mutig widersprechen, nicht wegsehen, Betroffene unterstützen und auch kleine Gesten ernst nehmen.
Ein Schüler sagte dazu: „Mir ist klar geworden, dass man nicht immer eine große Rede halten muss. Manchmal reicht es schon, etwas nicht einfach stehen zu lassen.“
Ein besonderer Teil unserer Projektwoche waren die szenischen Arbeiten zum Thema Alltagsrassismus. In gemischten Gruppen entwickelten die Schülerinnen und Schüler eigene kurze Szenen, probten diese gemeinsam und präsentierten sie anschließend vor der Gruppe. Die Aufführungen waren nachdenklich, kreativ und beeindruckend. Sie zeigten, dass man Haltung nicht nur diskutieren, sondern auch auf die Bühne bringen kann.
„Beim Spielen der Szene habe ich erst richtig gemerkt, wie sich solche Situationen für Betroffene anfühlen können“, erklärte ein Teilnehmer nach der Präsentation.
Neben der gemeinsamen Projektarbeit hatten wir auch die Gelegenheit, Krakau besser kennenzulernen. Bei einer Führung durch die Innen- und Altstadt konnten wir viele Eindrücke von der Stadt sammeln. Auch das gemeinsame Essen, unter anderem mit Pierogi und Bigos, gehörte zu den schönen Momenten der Woche. Gerade diese informellen Begegnungen halfen dabei, miteinander ins Gespräch zu kommen und neue Kontakte zu knüpfen.
Besonders eindrücklich waren für uns die Besuche der Gedenkorte Plaszow und Auschwitz-Birkenau. Diese Orte stehen wie kaum andere für die dunkelsten Kapitel der europäischen Geschichte. Der Besuch des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau war für alle Beteiligten eine intensive und bewegende Erfahrung. Geschichte wurde dort nicht nur vermittelt, sondern auf besondere Weise erfahrbar.
„Man hat im Unterricht schon viel darüber gehört, aber vor Ort zu stehen, ist etwas ganz anderes“, sagte eine Schülerin nach dem Besuch.
Die Auseinandersetzung mit den Schicksalen der Opfer machte uns noch einmal deutlich, wie wichtig Erinnerung, Menschenrechte und demokratische Werte für unser heutiges Zusammenleben sind. Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Debatten oft von Polarisierung geprägt sind und demokratische Werte nicht selbstverständlich erscheinen, halte ich Erinnerungskultur für unverzichtbar. Sie hilft uns, die Folgen von Ausgrenzung, Hass und Menschenverachtung zu verstehen, und erinnert uns daran, welche Verantwortung jede Generation für den Erhalt von Demokratie, Menschenrechten und einer offenen Gesellschaft trägt.
Solche Begegnungen schaffen Räume für Fragen, Gespräche, Perspektivwechsel und Reflexion. Sie ermöglichen jungen Menschen, Geschichte, Gegenwart und eigenes Handeln miteinander zu verbinden. Genau darin liegt ein zentraler Auftrag von Bildung: Schülerinnen und Schüler darin zu stärken, kritisch zu denken, empathisch zu handeln und Verantwortung zu übernehmen.
Auch die Schülerinnen und Schüler nahmen viele Eindrücke mit nach Hause. Ein Teilnehmer formulierte es am Ende der Woche so: „Ich glaube, ich werde in Zukunft genauer darauf achten, wie Menschen miteinander sprechen und ob jemand ausgeschlossen wird.“
Unsere Projektwoche in Krakau war damit weit mehr als eine Reise. Sie war eine Woche voller Begegnungen, Denkanstöße, gemeinsamer Erfahrungen und wichtiger Gespräche. Wir sind dankbar für die herzliche Aufnahme durch unsere polnische Partnerschule und für die Möglichkeit, gemeinsam an einem so bedeutsamen Thema zu arbeiten.
Ein herzlicher Dank gilt unserer Partnerschule sowie Erasmus+, durch dessen Förderung diese internationale Bildungs- und Begegnungsreise ermöglicht wurde!
